Suche nach ...

Übung und Ausbildung

St. Lorenz: Flugzeugabsturz an der Drachenwand - Abschnittsübung

Christian Stoxreiter zur Übersicht

Rund 250 Einsatzkräfte und Mitwirkende trainierten die Bewältigung eines Flugzeugabsturzes mit Vegetationsbrand

St. Lorenz. Am Samstag, 24. Oktober 2026, führte die Freiwillige Feuerwehr St. Lorenz die Abschnittsübung des Feuerwehrabschnittes Mondsee durch. Als anspruchsvolles Übungsszenario wurde der Absturz eines größeren Flugzeuges im Waldgebiet unterhalb der Drachenwand angenommen. Mehrere verletzte und vermisste Personen sowie ein durch den Absturz ausgelöster Vegetationsbrand stellten die Einsatzorganisationen vor vielfältige Aufgaben.

Insgesamt waren 216 Einsatzkräfte in die Übung eingebunden. Neben allen 15 Feuerwehren des Abschnittes Mondsee nahmen das Rote Kreuz, die Bergrettung Mondseeland, die Abschnittsdrohnengruppe, die Einsatzführungsunterstützung Badstuben und das Kriseninterventionsteam teil. Rund 30 Statistinnen und Statisten sorgten für eine möglichst realistische Darstellung der Schadenslage. Auch zahlreiche Bürgermeister aus dem Mondseeland wirkten als Statisten mit. Der St. Lorenzer Bürgermeister Hammerl übernahm die Funktion des behördlichen Einsatzleiters.

Realitätsnahes und forderndes Einsatzszenario

Im unwegsamen Waldgelände wurde ein Flugzeugwrack nachgebaut. Geschminkte Darsteller verkörperten verletzte Betroffene, die aus dem Wrack und dem umliegenden Gelände gerettet werden mussten. Gleichzeitig galt es, vermisste Personen zu suchen, einen angenommenen Vegetationsbrand einzudämmen und eine zuverlässige Löschwasserversorgung über eine längere Wegstrecke aufzubauen.

Die komplexe Lage verlangte ein abgestimmtes Vorgehen aller beteiligten Organisationen. Neben der unmittelbaren Gefahrenabwehr standen daher insbesondere die gemeinsame Führung, die organisationsübergreifende Kommunikation und die Koordination zahlreicher Einsatzabschnitte im Mittelpunkt.

Die Übungsschwerpunkte:

Technische Personenrettung

Die Einsatzkräfte mussten verletzte Personen aus dem nachgebauten Flugzeugwrack befreien. Anschließend waren die Geretteten schonend durch das schwierige Gelände zu transportieren und an die medizinischen Kräfte zu übergeben. Dabei wurden sowohl die technische Rettung als auch die Abstimmung der Transportwege geübt.

Personensuche im Waldgebiet

Suchtrupps durchkämmten das Gebiet rund um die angenommene Absturzstelle. Drei vermisste Personen mussten gezielt aufgefunden werden. Bei Bedarf unterstützten Drohnen die Suche aus der Luft und lieferten aktuelle Bilder für die Einsatzführung.

Brandbekämpfung und Wasserversorgung

Parallel zur Menschenrettung wurde ein Vegetationsbrand angenommen. Die eingesetzten Feuerwehren hatten die Ausbreitung zu verhindern und die Brandbekämpfung im Gelände durchzuführen. Dafür wurde eine längere Löschwasserleitung vom Feuerwehrhaus St. Lorenz bis in das Einsatzgebiet aufgebaut und betrieben.

Medizinische Versorgung und Betreuung

Das Rote Kreuz übernahm die medizinische Versorgung der geretteten Personen und organisierte den weiteren Transport. Das Kriseninterventionsteam wurde in die Betreuung Betroffener eingebunden. Damit konnte auch die wichtige Schnittstelle zwischen technischer Rettung, medizinischer Erstversorgung und psychosozialer Unterstützung trainiert werden.

Verkehr, Zufahrt und Transporte

Die einspurige Zufahrt zum Übungsgebiet erforderte eine genaue Verkehrsregelung durch Lotsen. Mannschafts-, Material- und Verletztentransporte mussten laufend koordiniert werden, damit die Zufahrt trotz des hohen Einsatzaufkommens funktionsfähig blieb.

Gemeinsame Einsatzleitung als zentrale Drehscheibe

Im Feuerwehrhaus St. Lorenz wurde eine gemeinsame Einsatzleitung eingerichtet. Ein Stab mit den Sachgebieten S1 bis S6 unterstützte die Führung bei der Lagebeurteilung, der Einsatzplanung, der Versorgung und der laufenden Dokumentation. Festgelegte Funksprechgruppen und klar zugeteilte Aufgaben ermöglichten eine strukturierte Kommunikation zwischen den eingesetzten Kräften.

Die Feuerwehren wurden gestaffelt alarmiert und beim Feuerwehrhaus eingewiesen. Von dort aus erfolgte die geordnete Zuweisung in die jeweiligen Einsatzbereiche. Reservekräfte standen ebenfalls beim Feuerwehrhaus bereit, um bei Bedarf rasch eingesetzt werden zu können. Die Bilder der Drohnengruppe ergänzten die Lageinformationen und unterstützten die Einsatzleitung bei ihren Entscheidungen.

Unerwartete Einlagen erhöhten den Übungsdruck

Zusätzliche Übungseinlagen, darunter angenommene Ausfälle von Pumpen oder Rettungsgeräten, stellten die Mannschaften vor unerwartete Schwierigkeiten. Dadurch musste die geplante Vorgehensweise kurzfristig angepasst werden. Solche Einlagen zeigen, wie wichtig flexible Entscheidungen, klare Rückmeldungen und funktionierende Reserven im Einsatz sind.

Das Zusammenspiel der verschiedenen Organisationen war ein wesentlicher Schwerpunkt der Übung. Feuerwehr, Rettungsdienst, Bergrettung, Drohnenkräfte, Einsatzführungsunterstützung und Krisenintervention mussten ihre jeweiligen Fähigkeiten in ein gemeinsames Vorgehen einbringen. Gerade bei einer großflächigen und unübersichtlichen Schadenslage ist diese Abstimmung entscheidend.

Gemeinsame Nachbesprechung im Sägewerk St. Lorenz

Nach Abschluss der praktischen Übung kamen die Beteiligten zur gemeinsamen Nachbesprechung im Sägewerk St. Lorenz zusammen. Dort wurden die Abläufe ausgewertet, erste Erfahrungen ausgetauscht und mögliche Verbesserungen für künftige Einsätze besprochen. Anschließend sorgte eine gemeinsame Verpflegung für einen kameradschaftlichen Ausklang.

Wichtige Erkenntnisse für den Ernstfall

Die Abschnittsübung bot allen Beteiligten die Gelegenheit, komplexe Abläufe unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben. Die technische Rettung im Gelände, die Suche nach Vermissten, die Vegetationsbrandbekämpfung, die lange Löschwasserversorgung sowie die medizinische und psychosoziale Betreuung konnten in einem zusammenhängenden Szenario trainiert werden.

Besonders wertvoll war die enge Zusammenarbeit der Einsatzorganisationen. Klare Führungsstrukturen, abgestimmte Funkwege und ein gemeinsames Lagebild bilden die Grundlage dafür, im Ernstfall rasch und wirksam handeln zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in die weitere Ausbildung und Einsatzvorbereitung einfließen.

Ein herzlicher Dank gilt allen Einsatzkräften, Mitwirkenden, Statistinnen und Statisten sowie allen Unterstützerinnen und Unterstützern, die zum Gelingen dieser umfangreichen Abschnittsübung beigetragen haben.

Fotos: D. Ebner